Wir haben die Wahl; Plastik essen oder lieber doch nicht?

Ich gehe einkaufen und so wie ich zu Hause bin, packe ich die eingekauften Dinge aus. Allein beim Auspacken mache ich achtmal den Plastikmülleimer auf und zu, denn sogar die Bananen sind trotz ihrer natürlichen Verpackung, sprich Schale, eingepackt.

Jährlich verbrauchen wir in Deutschland mit 11,5 Millionen Tonnen Plastik und damit sind wir der Spitzenreiter in ganz Europa. Der Verbrauch steigt eher, als das er sinkt.

Der Ort, an welchem die vielen Tonnen landen ist das größte Problem, der größte Teil im Meer, über sechs Millionen Tonnen Müll – jedes Jahr. Wir verschmutzen also unsere Meere. 269 Tonnen Plastik schwimmen weniger friedlich in unseren Meeren herum, das sind fast 40.000 Müllwagenladungen. Albatrosse und Vögel verwechseln die Abfallstücke mit Futter und fressen sie. Sie fühlen sich satt, verhungern jedoch schließlich mit müllgefülltem Magen.

Schätzungsweise 5.000 000 000 000 Mikroplastikteilchen schwirren im Meer herum, an ihnen binden sich giftige Chemikalien, die wiederum von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen werden. Über diesen Weg gelangt der Plastikmüll mit den anlagernden Giftstoffen direkt in lebende Organismen. Zuchtfische bekommen oftmals Fischmehl als Futter und essen dann die Giftstoffe, die durch uns ins Meer gelangt sind. Auch anderen Tieren wie Hühner oder Kälber wird als Zusatzverzehr Fischmehl unter das Essen gemischt. Diese Tiere landen zu Hause auf unseren Tellern und somit essen wir am Ende unseren eigenen Plastikmüll.

Welche Auswirkungen Plastik auf den menschlichen Organismus hat, ist noch nicht vollständig abgeklärt. Sicher ist aber, dass Plastik giftige Weichmacher und Flammschutzmittel enthält. Die Giftstoffe verhalten sich im Körper wie Hormone, können krebserregend sein und sogar die Fruchtbarkeit schädigen.

Bei diesem Gedanken wird mir schlecht.

Aber muss das alles so sein, wie es ist, oder können wir das nicht auch ändern?

„Na klar!“, denke ich. Genauso wie ich, dachten auch Milena Glimbowski, Sarah Wolf und zum Glück noch viel mehr Personen, die die Hoffnung an die positive Veränderung noch nicht aufgegeben haben. Als Milena und Sarah gemerkt haben, wie viel Plastik sich tagtäglich in ihrem Müll stapelt, wollten sie ihren Plastikverbrauch komplett einstellen, wussten aber nicht wie. Sie kamen auf die Idee einen 0Waste Laden in Berlin zu eröffnen: „Original unverpackt“. Einen Laden, in dem man sich seine eigenen Behältnisse, die man leer abmisst, mitnimmt und aus großen Fässern abfüllt. Falls man zu einem Spontaneinkauf vorbeikommt, kann man sich auch Behältnisse dort kaufen oder leihen. Die Idee war brillant, das was fehlte war das Geld. Milena und Sarah starteten eine Crowdfunding Kampagne und erhielten innerhalb weniger Tage, statt erhofften 20.000 €, 100.000€. Damit war aller Anfang getan und sie konnten ihre Idee in die Wirklichkeit umsetzen, um ihren Plastikverbrauch zu verringern, und all denen zu helfen, die ihren Plastikverbrauch reduzieren wollen, in den sie einen Ort bieten, an dem sie dies auf jeden Fall und unkompliziert tun können. Am 13.September 2014 eröffnete ihr Laden in der Wiener Straße 16, in Kreuzberg, Berlin. Mittlerweile haben sie ungefähr 400 Produkte im Sortiment, von Lebensmitteln,Naschwaren, Spirituosen, zu Kosmetikprodukten, Reinigungsmitteln und Büchern. “Back to the roots”- zurück zum Wesentlichen, das ist ihr Motto.

Ich bin froh nun endlich einen Laden gefunden zu haben, bei dem ich mit wirklich reinem Gewissen und 0Waste einkaufen kann.

Aller Anfang ist getan und wenn wir unseren unnötigen Plastikkonsum vermeiden, können wir dem Teufelskreis vielleicht noch entkommen.

 

Autorin: Clara Reinhardt